Radevormwald

Anzüglichkeiten der anderen Art in Önkfeld

Von Frank Michalczak

Es gibt eine goldene Regel, die männliche Besucher vor einer Travestie-Show unbedingt beachten sollten: Setzen Sie sich nicht in die erste Reihe. Denn dort könnte es für Sie gefährlich werden . . . Die Gäste des Landhaus Önkfeld wissen das längst. Dort nämlich gehen seit 1998 regelmäßig Revue-Abende über die Showbühne.

Nach längerer Pause war es am Mittwochabend wieder soweit: Moderator(in) Marcel Bijou, Sänger(in) Ikenna und Tänzer(in) Miss Jennifer aus Berlin gaben sich bei einem Gastspiel die Ehre und bereiteten rund 100 Besuchern einen Abend, den sie sicherlich so schnell nicht vergessen werden. Für die spitzzüngige Marcel Bijou war es ein Heimspiel: "Ich bin ja nun schon zum fünften Mal hier. Und auf dem platten Land weiß man ja nie, wie das Publikum reagiert", erklärte sie den Gästen: "Aber in Önkfeld - da weiß nun inzwischen jeder, worauf er sich einlässt." So wunderte es keinen, als sich Madame durch die Reihen schlängelte und dort schnell ihre Opfer und die passenden Gesprächsthemen fand. Ob Haarausfall, Eheprobleme oder sexuelle Vorlieben - Marcel Bijou wusste stets in die Seele ihrer Zuhörer zu blicken.

Während sie den scharfsinnig-ironischen Part an diesem Abend übernahm, zeigte Stimmakrobat(in) Ikenna ihr beeindruckendes Gesangstalent. Verblüfft rieben sich die Zuschauer die Augen: Stand dort etwa tatsächlich Whitney Houston auf der Bühne? Nein, es war tatsächlich eine farbige Schönheit der etwas anderen Art, die bei ihrem Live-Auftritt auch die höchsten Soul-Töne perfekt traf.

Die drei Grazien, die in Önkfeld Ovationen ernteten, kennen sich bestens aus dem Hamburger Szene-Theater Pulverfass, wo sie schon häufiger gemeinsam auftraten. Sie sind also an die Großstadt-Luft gewöhnt. Doch: Das Publikum in Rade - das sei "sensationell", wie Ikenna aus Nigeria hervorhob. Eigentlich sei er ja Sportler und Tänzer in seiner Jugend gewesen. Sein Gesangstalent der anderen Art entdeckte seine Mutter: "Sie fand, dass ich große Ähnlichkeit mit Whitney Houston hatte. Na ja, und da war der Weg zur Showbühne irgendwann vorgezeichnet . . ."