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23.06.2005

 

Politisch, polemisch, respektlos: Travestie-Gala auf dem Marktplatz

Als Ikenna, Marcel Bijou, Griselda und Joy Peters gegen 22 Uhr sich nach ihrer improvisierten Zugabe zum letzten Mal vom Publikum verabschiedeten, da brandete tosender Applaus auf dem komplett bevölkerten Marktplatz auf. Denn mit ihrer Zugabe setzten die vier Travestie-Stars den Schlusspunkt unter eine Show, die die Besucher auf dem Marktplatz begeistert hatte.

 Hunderte Menschen waren gekommen, um die Premiere einer Gala der etwas anderen Art mitzuerleben. Travestie auf dem Marktplatz - wer gedacht hatte, dass dieses Konzept in Radevormwald nicht aufgehen würde, der hatte sich getäuscht. Denn ein bisschen politisch, ein bisschen polemisch und vor allem sehr respektlos eroberte Marcel Bijou gemeinsam mit ihren KollegInnen die Herzen des Publikums. Spitzzüngiges Kabarett, Gesangs-Parodien und Imitationen beeindruckten die Besucher. Allen voran Ikenna, das "Stimmwunder aus Nigeria", der mit Interpretationen von Whitney-Houston-Hits vergessen ließ, dass das Original mittlerweile in der Versenkung des Showgeschäftes verschwunden ist. Griselda von den Phillipinen ließ mit stimmakrobatischen Michael-Jackson-Parodien das Publikum zwischen Gelächter und Staunen schwanken. Und als mit Joy Peters aus Österreich der vierte Star auf die Bühne trat, war für Andrea und Francesco aus Wipperfürth die Begeisterung komplett. "Einfach bombastisch, was die da auf der Bühne leisten", schwärmte Francesco - und blickte ein wenig neidisch auf die Radevormwalder. "So eine Veranstaltung in Wipperfürth auf die Beine zu stellen, das kriegen die bei uns bestimmt nicht hin. Dafür ist Wipperfürth wahrscheinlich zu christlich. . "

In Radevormwald aber traf die Travestie-Gala den Nerv der Besucher. Ob jung oder alt, ob männlich oder weiblich - kein negatives Wort war zu hören. Und das, obwohl Marcel Bijou "erst ein bisschen Bedenken hatte, ob Ihr uns steinigt, wenn wir auf die Bühne kommen". Doch seine Bedenken waren überflüssig, nachdem die "Blues Brothers" das Publikum ab 17 Uhr aufgewärmt hatten: "Ich fand's cool. Die Leute ziehen mit - und dann macht das richtig Spaß", lobte Whitney Houston alias Ikenna nach seinen Auftritten. Er weiß, wovon er redet, stand er doch vor wenigen Wochen erst auf Gran Canaria bei einer Fernseh-Show auf der Bühne, die weltweit über 30 Millionen Menschen gesehen haben. Intelligenz, gepaart mit einer gehörigen Portion Humor, ist das Erfolgsrezept von Marcel Bijou, die durch die Show führte. "Einfach mal etwas ganz anderes - und eben nicht nur Musik, sondern ein bunt gemischtes Programm" - das machte für das Ehepaar Staschewski den Reiz des Abends aus. "Und dann auch noch für einen guten Zweck, das finde ich super", lobte auch Gabi Meisel aus Köln, die mit ihren Rader Freundinnen Astrid Jurzitza und Petra Stöcker gemeinsam feierte.

Erlös an Aidshilfe, Johanniter und Vereine äDenn der Erlös der komplett gesponsorten Veranstaltung fließt zu einem großen Teil in die Kasse der Aidshilfe sowie der Johanniter; zusätzlich werden die Vereine, die die Bierstände bestückten, an den Einnahmen beteiligt. Und die freuten sich daher umso mehr, dass bis tief in die Nacht hinein auf dem Markt weiter gefeiert wurde - friedlich und ohne Zwischenfälle. Jörg Langbein, der dank etlicher heimischer Sponsoren die Veranstaltung in Eigenregie organisiert hatte, zeigte sich gestern jedenfalls vollends zufrieden: "Ich denke, die Leute hatten ihren Spaß - trotz einiger Probleme, wegen denen wir später anfangen mussten." Ein Kurzschluss hatte etliches Gerät lahm gelegt, sodass die Künstler ohne Soundcheck und mit einer Stunde Verzögerung auftreten mussten. Der Stimmung aber tat das keinen Abbruch. "Und wer weiß, vielleicht stellen wir im nächsten Jahr ja etwas ähnliches auf die Beine. . ."
 

Von Kerstin Neuser